Umgang mit Falschinformationen zu Corona

In Zeiten der Krise und großer Verunsicherung sind glaubwürdige Informationen und Kommunikation wichtiger denn je. Wir erleben gerade eine Informationsflut, die alles, was wir womöglich vorher schon als zu viel empfunden haben, weit übertrifft. Dabei ist die Sachlage sehr dynamisch und ändert sich quasi täglich. Unter großem Zeitdruck und entsprechenden Unsicherheiten veröffentlichen Wissenschaftler:innen, Ärzt:innen oder auch Politiker:innen täglich Informationen, die vielleicht schon einen Tag später nicht mehr gültig sind. Zum Teil widersprechen sich die Expert:innen auch gegenseitig. Aber können wir in dem Fall tatsächlich von Falschmeldungen sprechen? Die unterschiedlichen und wechselnden Informationen liegen in der ständigen und erforderlichen Neubewertung der Sachlage begründet. Niemand weiß heute, wie es sich morgen weiterentwickelt.

Das Problem mit den Falschnachrichten liegt wohl viel mehr in den sozialen Netzwerken, in denen jede:r Informationen veröffentlichen und weiterverbreiten kann – ganz ohne Prüfung oder journalistische Einordnung. Über die sozialen Netzwerke verbreiten sich dieser Tage zahlreiche Falschinformationen, die nicht auf die “Unsicherheit” der Expert:innen zurückzuführen sind, sondern vielmehr auf den verantwortungslosen Umgang mit sensationellen Gerüchten durch die Nutzer:innen. Auch Kinder bekommen über Klassenchats und sonstige Gruppen diese Nachrichten und Kettenbriefe ungefragt zugespielt.

So kursiert auf Facebook ein Foto von zahlreichen Särgen, dass angeblich aus Italien stammt. Über WhatsApp verbreiten sich Sprachnachrichten, in denen von Supermarktschließungen die Rede ist. Auch kursieren zahlreiche Gerüchte über angebliche Heilmittel, wie zum Beispiel Zwiebeln. Alles Fake!

Die Informationen in den sozialen Medien erreichen uns oft viel schneller und direkter, als die offiziellen Meldungen aus den Behörden oder lange Berichte in den etablierten Medien und haben dementsprechend großen Einfluss auf unsere Wahrnehmung, unser Gefühl und unser Handeln. Viele folgen ihrem ersten Impuls, leiten die Nachrichten weiter und lösen so wiederum Ängste bei anderen aus. Die Gerüchte verbreiten sich damit schneller, als der Virus selbst. Die WHO hat dafür bereits das Wort „Infodemie“ erfunden.

Ohne Frage: In dieser Flut von Informationen ist es mitunter schwierig, die Glaubwürdigkeit von Informationen zu bewerten. Deshalb ist es an der Zeit, die eigene Medienkompetenz – und die der Kinder – zu schulen und verantwortungsvoll mit Informationen und Kommunikation umzugehen. Dabei möchten wir Ihnen Hilfestellung geben:

Wie finde ich heraus, ob es sich um Falschnachrichten handelt?

Wenn Sie eine Nachricht bekommen, die besonders reißerisch ist…

  • Hören Sie auf Ihren Bauch: Halten Sie die Information für realistisch?
  • Lesen Sie auch über die Schlagzeile hinaus: Was steckt dahinter?
  • Prüfen Sie die Quelle: Woher kommt die Nachricht? Ist die Quelle vertrauenswürdig?
  • Prüfen Sie, ob auch andere Medien darüber berichten.
  • Prüfen Sie, ob Faktencheck-Portale wie CORRECTIV, Faktenfinder der ARD oder mimikama schon darüber berichtet haben.
  • Recherchieren Sie, ob die verwendeten Bilder schon in einem anderen Zusammenhang aufgetaucht sind (nutzen Sie dafür z.B. die Bilderrückwärtssuche von Google oder die Webseite TinEye).

Wie gehe ich mit Falschnachrichten um?

  • Bewahren Sie Ruhe und tun Sie erst einmal nichts.
  • Verbreiten Sie die Nachricht nicht ungeprüft weiter.
  • Machen Sie die Absender:in darauf aufmerksam, dass es ein Fake ist.
  • Melden Sie die Nachricht bei Portalen wie CORRECTIV oder mimikama, um andere Menschen zu schützen.

Und noch ein paar allgemeine Hinweise:

Informieren Sie sich auf den offiziellen Seiten der Behörden (Robert-Koch-Institut, Bundesgesundheitsministerium) oder lokalen Informationsstellen in ihrem Ort. Informieren Sie sich nicht nur über die sozialen Netzwerke und ihre Bekannten, sondern auch über verschiedene glaubwürdige Medien, die Informationen sorgfältig recherchieren und für Sie einordnen. Besprechen Sie die Problematik mit ihren Kindern und erklären Sie ihnen, wie sie mit Informationen in den sozialen Netzwerken verantwortungsvoll umgehen.

Tipps für die Medienkompetenzförderung in der Bildungsarbeit:

Wenn Sie das Thema Fake News mit Ihren Schülerinnen und Schülern bearbeiten möchten, empfehlen wir das Webangebot des Bayrischen Rundfunks so geht MEDIEN. Dort finden Sie zahlreiche Videos, Audios, Unterrichtsmaterialien und ganze Stundenabläufe, in denen erklärt wird, wie Medien funktionieren und wie sie gemacht werden. Hintergrundinformationen und Expert:innen-Interviews konkret zu Fakes und Verschwörungstheorien in der Coronakrise bietet die Bundeszentrale für politische Bildung mit ihrem neuen Podcast “Die “Wahrheit” in Zeiten von Corona”.

Für die jüngere Zielgruppe empfehlen wir das Internet-ABC. Die Plattform bietet einen niedrigschwelligen und kindgerechten Einstieg in die Funktionsweisen des Internets und alles, was damit in der Lebenswelt der Kinder zusammenhängt. Auch hier finden Lehrkräfte Unterrichtsmaterialien, Erklärvideos und Lernmodule. Für Eltern gibt es Hilfestellung für die Medienerziehung und Mediennutzung in der Familie.

Die inzwischen weitreichenden Einschränkungen unserer Bewegungsfreiheit dienen dem Schutz vor dem Virus. Helfen Sie mit, die Bevölkerung auch vor angstverbreitenden Nachrichten zu schützen.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay